WPU-Kurs „Darstellendes Spiel“ kooperiert mit Autorin
Wer wollte nicht schonmal einer Autorin über die Schulter schauen oder gar Teil ihres kreativen Schreibprozesses sein?
Im April und Mai war das an der GSF möglich. Die Tübinger Autorin Christa Hagmeyer (mittlerweile im Taunus zu Hause) fragte an, ob sich der WPU-Kurs „Darstellendes Spiel“ des Jahrgangs 9 und 10 anböte, ein Theaterstück auszuprobieren, das gerade im Entstehungsprozess sei. Dazu inspiriert wurde sie von einer Begegnung im 8-er Jahrgang vorigen Herbst bei der sie ihr Buch „Ich kenne Deutschland bald besser als die Deutschen- Zuwanderergeschichten“ in Ethikkursen vorstellte und mit GSF-Klassen darüber diskutierte.
Die Rohfassung des Theaterstücks wurde dem Kurs präsentiert. Die Schülerinnen und Schüler hatten dann die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen wie beispielsweise den Sprachgebrauch der heutigen Jugend anzupassen.
Wir danken Frau Hagmeyer für diese einmalige Erfahrung!
N. Leister und WPU-Kurs „DS“
Theaterprojekt an der GSF in Kelkheim-Fischbach
Impression der Autorin: Christa Hagmeyer
Immer diese Gedankenblitze, wenn sich Gedanken überstürzen! Nach dem Welthaus-Projekt Ende 2025 hatte ich viele Impulse aus den Schülerdiskussionen aufgenommen. Das drängte, in eine Form gebracht zu werden.
Ein Theaterstück könnte ich einmal wieder schreiben, ein Schülerstück für die Altersgruppe der 9. und 10. Klasse. Das sind sie, die antreten, um zu übernehmen, was wir Älteren gestaltet haben. Werden, können sie zufrieden sein mit dem Erbe? Nein! - würde ich sagen.
Das sollen sie zeigen, den Spiegel sollen sie der Gesellschaft vorhalten – das könnte mein Einakter werden. Aber bin ich nicht vermessen? Die Achtzig habe ich bereits überschritten, und ich maße mir an, den Gestus von Jugendlichen aufgreifen zu können? Doch dieser Gedanke kam mir erst, als ich schon über mehrere Seiten einen Dialog entwickelt und eine Absprache mit der Schule getroffen hatte. Den kurzen Schrecken verscheuchte ich. Ich wollte sie sehen, ihre Sprache hören, ihr Miteinander und Nebeneinander - ich unterstelle aber ein Gegeneinander, das ich auf jeden Fall als Dramatik so brauchen könnte.
Was aber haben die SchülerInnen von diesem Experiment? „Darstellendes Spiel“ heißt ihr Wahlfach. Sie werden nicht nur Zeugen des Werkprozesses, sie sollen werten, auswählen und entscheiden:
Ist meine Sprache wahr, zeigt sie unsere Gegenwart, das Geschehen und Geschehen lassen? Werden reale Emotionen ausgedrückt? Werden Fragen gestellt und zugelassen?
Theater ist mehr als das Wort. Mimik und Gestik sprechen oft deutlicher, spontan, gar verräterisch, wo das Wort der Ästhetik dient und nach Dauer strebt. Ein wenig wirken auch Kulisse und Technik – eine gute Nische ist dies, denn nicht alle SchülerInnen drängen in Sprechrollen.
Überhaupt will ich „Gesellschaft“ darstellen, die Akteure und die andern auf der Schattenseite. Und vor allem die passive Masse muss ins Bild. Wir brauchen einen Chor, und weil nicht alle singen wollen, wählen wir einen Sprechchor; das passt auch zu dem Feigenblatt „Demonstrationen“. In Stellproben auf der Bühne finden wir die Form.
„Ihr, ihr, wer seid ihr denn, was wollt ihr hier - von mir?“, wird „die Clique“ rufen und „die Anderen“ – es gibt so viele Facetten davon – an den Rand drängen. Und der Chor gesteht wenigstens: „Ich lebe am liebsten ‚als ob‘…..“
Eine Handlung wird mein Stück nicht haben; es setzt nach der Katastrophe ein, wenn es um Analyse und Aufarbeitung ginge, wenn aber Ausflüchte, Vorurteile, Verletzungen die Lager weiter spalten. Aber soll dies dann alles gewesen sein? Wo bleibt der Plott? Vernunft, Hoffnung, sie sollen aufscheinen! Und es geschieht, überraschend und nur für den, der Augen und Ohren dafür hat und den Mut.
Im Juni 2026 Christa Hagmeyer